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Zu “Immunisierung gegen Kritik”

“Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus …” (Philipper 1,27)

Wir beugen Kritik dadurch vor, daß wir ein Leben führen wollen, das Christus würdig ist.

Über die Bedeutung des Begriffs “Sekte” wird in der Gemeinschaft äußerst selten gesprochen. Wir haben anderes zu tun. Es ist sicher traurig, wenn man mit einem in der Öffentlichkeit extrem negativ besetzten Begriff bezeichnet wird. Aber nach Lk 6,22 ist das auch ein Grund zur Freude:

“Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen.”

Einen Grund zu einer “ausgesprochen wütenden oder gereizten Reaktion” gibt es daher nicht. Falls Geschwister auf Beschimpfungen anderer auf diese Weise reagiert haben sollten, so war das nicht richtig und nicht im Sinne Gottes und der Gemeinde.

Obwohl wir um die geistliche Realität des Satan wissen, der in irgendeiner Weise hinter allen gottfeindlichen Aktivitäten steckt, “bemühen” wir ihn nicht. Auch böse Menschen sind eigenverantwortlich und nicht Marionetten des Teufels.

Wenn Herr Kluge behauptet: “Die Gruppe würde sogar eher in Kauf nehmen, daß entstandene psychische Probleme den Menschen in den Selbstmord treiben”, so impliziert das den Vorwurf, daß wir den Selbstmord dem Abfall vorziehen. Somit wäre es unserem Kritiker wieder gelungen, uns in das Schema der Psychosekte zu pressen. Dieser Vorwurf ist nicht nur unrichtig, sondern auch in sich widersprüchlich und unlogisch, da der Selbstmord eine Sünde ist, die den Abfall voraussetzt. Wir distanzieren uns auch von der in freikirchlichen Kreisen des öfteren geäußerten Lehre, daß etwa die in 1. Joh 5,16 erwähnte “Sünde zum Tod” bedeutet, daß Gott einen schwer sündhaften Christen sterben läßt, um ihn auf diese Weise vor dem Abfall zu bewahren. Deswegen widerspricht auch der Satz “Es ist besser, daß er sterbe, als daß er abfalle” den Grundsätzen der christlichen Gemeinde. Unser Ziel ist immer, alles zu tun, um einem Menschen das Leben zu schenken und zu bewahren, sowohl in geistlicher als auch in körperlicher Hinsicht.

Der geistliche Tod ist in seinen Konsequenzen sicher unendlich schlechter als der körperliche Tod. Dem körperlichen Tod kann niemand ausweichen. Als Christen haben wir aber die Hoffnung auf das ewige Leben, das jetzt schon begonnen hat. Wenn aber jemand geistlich stirbt, das heißt, seine Lebensbeziehung zu Gott willentlich zerstört, dann bleibt keine Hoffnung mehr. Das ist aber nicht unsere Sonderlehre, sondern klare Lehre Jesu und der Apostel (siehe auch: zu “Strafe – Ausschluss” und zu “Einschätzung”).

zu “Umgang mit Anhängern”

“Richtet nicht nach dem Schein, sondern richtet ein gerechtes Gericht!”(Johannes 7,24)

Dieses Kapitel in Herrn Kluges Abhandlung spricht zwar nicht mehr uns an. Aber da auch in diesem Kapitel immer wieder verschiedenste Verleumdungen anklingen, ergibt sich auch hier die Notwendigkeit einer Stellungnahme.

Was wir uns als christliche Gemeinde von jedem objektiven Leser erwarten, ist:

“Prüft aber alles, das Gute haltet fest!” (1. Thessalonicher 5,21)

Auf dieser Grundlage stellen wir uns gerne jeder sachlichen und offenen Diskussion. Wir haben nichts zu verbergen. Wir erwarten uns nur Offenheit und Bereitschaft, zu prüfen.

“Was sollen wir tun?” Diese Frage stellten auch die Menschen in Jerusalem beim Pfingstfest des Jahres 30 (Apg 2,37). Wir können nur die damalige Antwort des Petrus wiederholen:

“Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen!” (Apostelgeschichte 2,38)

Wir haben diesen Schritt gesetzt (wobei das Schwergewicht auf der Umkehr liegt, die Taufe nur ein äußerliches Zeichen der Umkehr ist). Wer das Heil erlangen will, muß den selben Schritt setzen, muß sich mit seinem ganzen Leben Jesus zuwenden und ihm nachfolgen. Das ist unser Ziel und sonst nichts.

 

zu “Einschätzung”

“…sondern durch die Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott.” (2. Korinther 4,2)

“Wie ist die Gruppe einzuschätzen?”

Herr Kluge hat sein Urteil gefällt: “Die Holic-Gruppe ist mit Sicherheit in den Bereich der sogenannten Sekten und Psychokulte einzuordnen.”

Da er dieses Urteil über eine nicht existierende “Holic-Gruppe” ausgesprochen hat, trifft es uns im Grunde nicht. Da Herr Kluge aber eindeutig die christliche Gemeinde meint, wollen wir auf sein Urteil und dessen Begründung eingehen.

Was ist eine “Sekte”? Was ein “Psychokult”?

Wenn in der Bibel von der “Sekte der Nazoräer” (Apg 24,5) die Rede ist, dann meint das eine “Schule” oder “Partei”. Das griechische Wort “hairesis” wurde auch für die Sadduzäer (Apg 5,17) und Pharisäer (Apg 15,5) verwendet, welche die wichtigsten Richtungen des Judentums des 1. Jahrhunderts waren.

Die heutige Verwendung des Begriffs “Sekte” ist “relativ unpräzise und wenig trennscharf” (Erste Auskunft “Sekten”, 3. Aufl. 1999, S. 185). Einheit herrscht unter den Fachleuten nur über die Etymologie dieses Wortes vom lateinischen “sequor” “folgen”.

Oft wird das Wort eher im soziologischen Sinne als Abspaltung von einer größeren Religionsgemeinschaft verwendet, z. B. als “Bezeichnung für sich abschließende, in Lehre und / oder Praxis von der Mehrheit abweichend orientierte, somit dissidierende Minderheiten” (Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, hg. Gasper, Müller, Valentin, Sp. 973)

Im spezifisch christlichen Sinn werden Sekten als “Gemeinschaften, die mit christlichen Überlieferungen wesentlich außerbiblische Wahrheits- und Offenbarungsquellen verbinden und in der Regel ökumenische Beziehungen ablehnen” (Handbuch Religiöse Gemeinschaften, hg. Horst Reller u.a., 4. Auflage 1993, S. 15) definiert. In ähnlicher Weise beschreibt ein anderes Werk (Jugendreligionen, Sekten, Destruktive Kulte, hg. Sozialwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft, 1997, S. 12) die Merkmale einer Sekte:

“christlicher Hintergrund, in der Regel aber keine Ökumene, außerbiblische Glaubensquellen, Absolutheitsanspruch”

Diese Definition trifft exakt auf die römisch-katholische “Kirche” in ihrer vorkonziliaren Gestalt zu. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil ist nur ein Punkt (keine Ökumene) weggefallen. Die restlichen Punkte bleiben bestehen. Im Gegensatz dazu akzeptieren wir keinerlei außerbiblische Glaubensquellen, können aber der ökumenische Bewegung wegen ihrer Vernachlässigung der Frage nach der Wahrheit nicht zustimmen. Wir halten am Absolutheitsanspruch des Christentums fest, so wie ihn auch Jesus geoffenbart hat (Joh 14,6). Nach dieser Definition verdient also die römisch-katholische Organisation mindestens im selben Ausmaß die Bezeichnung “Sekte” wie unsere Gemeinschaft. Oder kommt es letztlich doch nur auf die Größe und den gesellschaftlichen Einfluß an?

Da der Begriff “Sekte” mit zahlreichen negativen Assoziationen besetzt ist, wurde in einem Bericht des Europarates vorgeschlagen, diesen Begriff überhaupt zu meiden.

“Of course, it is clear that it is very tempting for state authorities to use the term “sect”, given that it is easily understood by everyone. However, state authorities would be well advised to forgo using this term since there is no legal definition of it and it has an excessively pejorative connotation. In the public mind today, a sect is extremely evil or dangerous.” (Council of Europe: Sect Report; AS/Jur 1998/38, Abs. 14)

Zur Beurteilung als “Psychokult” sei auf folgende Definition eines “Kultes” hingewiesen:

“Ein Kult ist das Verhalten einer Gruppe oder eine Bewegung, welche
a) einer Person, einer Idee oder einem Gegenstand große oder übermäßige Verehrung entgegenbringt,
b) ein Gedankenreformprogramm benützt, um die Mitglieder zu überzeugen, zu steuern und zu sozialisieren (d.h. sie in das “einzigartige” Muster von Beziehungen, Glauben, Wertvorstellungen und Praktiken der Gruppe zu integrieren),
c) in den Mitgliedern systematisch Zustände von psychologischer Abhängigkeit erzeugt,
d) die Mitglieder ausbeutet, um die Ziele der Führerschaft zu verwirklichen und
e) dazu neigt, den Mitgliedern, ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld psychischen Schaden zuzufügen.” (Jugendreligionen, Sekten, Destruktive Kulte, Hg. Sozialwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft, 1997, S. 10)

Gegner des Christentums mögen uns vorwerfen, daß wir Jesus, dadurch, daß wir ihn als Gott verehren, “übermäßige Verehrung entgegenbringen”. Die übrigen Punkte dieses Kataloges treffen auf uns nicht zu, was uns auch Herr Kluge für den Punkt d) bestätigt. Damit wollen wir uns nun auch Herrn Kluges Kriterien für unsere Aburteilung als “Sekte” bzw. “Psycholkult” zuwenden.

Zuerst bringt er aber vier Punkte, die auch laut Herrn Kluge auf uns nicht zutreffen:

1. die vorrangige Ausrichtung auf Gelderwerb für den Leiter und die daraus folgende Ausbeutung der Mitglieder
Immerhin ist dieser Punkt für Steven Hassan (s.o.) einer der wichtigen Punkte, an denen man eine totalitäre Sekte erkennen kann.
Wenn Herr Kluge uns von diesem Anklagepunkt freispricht, können wir hingegen nicht sagen, daß dieses Sektenmerkmal nicht auf die römisch-katholische Organisation zutrifft. Immerhin verlangen sie auch heute noch in einigen Staaten auch von völlig desinteressierten Mitgliedern, die sich in keiner Weise mit der Lehre dieser Organisation identifizieren, einen Zwangsbeitrag, der notfalls auch mit staatlicher Gewalt eingetrieben wird. Sogar wenn jemand niemals auch nur das geringste aktive Zeichen einer Mitgliedschaft gesetzt hat, wird er zur Kasse gebeten. Im Laufe der Geschichte hat diese Organisation durch Ausbeutung ihrer Mitglieder riesige Reichtümer angesammelt.

2. die alles überrragende Stellung des Gründers bzw. derzeitigen Leiters, der sich als Mittler zwischen seinen Jüngern und Gott versteht und mitunter kultisch verehrt wird
Zu diesem Vorwurf bekennen wir uns, wenn auch nicht im üblichen Verständnis. Unser Gründer und nicht nur derzeitiger, sondern ewiger Leiter, Jesus Christus, hat eine alles überragende Stellung. Wir verehren ihn als Gott. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Tim 2,5). Wir geben ihm die Ehre, die ihm gebührt. Er ist der Herr. Wir aber sind Brüder.

Die römisch-katholische Organisation hingegen hat einen menschlichen Leiter, den sie als “Heiligen Vater” (ein in der Bibel allein für Gott verwendeter Titel – Joh 17,11) verehrt und dem sie Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre zuschreibt.

3. das weltweite (auch wirtschaftliche) Imperium der Sekte mit Tarn- und Unterorganisationen
Gottes Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Daher lehnen wir jede Organisierung und Institutionalisierung grundsätzlich ab.

Die römisch-katholische Organisation hingegen ist voll in das gottlose Wirtschaftssystem integriert, was durch vereinzelte Skandale immer wieder ans Licht kommt. Wir wollen unsere Kritik aber immer vor allem auf die Lehre aufbauen. Nur weil Herr Kluge diesen Punkt erwähnt, wollen wir darauf hinweisen, daß er auf seine eigene Organisation zutrifft.

4. die Naherwartung des baldigen Weltendes
Herr Kluge hat hier gelernt und seine früheren Vorwürfe zurückgenommen. Dieses Sektenkennzeichen findet sich bei den großen “Kirchen” im allgemeinen nicht, wird aber bei manchen katholischen (marianischen) Splittergruppen akzeptiert, ohne daß diese als Sekten abgestempelt würden.

Bevor Herr Kluge zu den direkten Anklagepunkten kommt, stellt er immerhin auch ein “genuin religiöses Anliegen” fest, nicht ohne in diesem Zusammenhang wieder auf Fanatismus hinzuweisen. Dieser “Fanatismus” hingegen steht im Widerspruch zu seiner Feststellung von Rationalität bis hin zur “Flucht in die Rationalität”. Fanatiker sind niemals rational. Entschiedenheit ist nicht Fanatismus.

Doch nun zu den angeblich bei uns vorliegenden “typischen Sektenmerkmalen”:

a) totaler Bruch des neuen Anhängers mit dem bisherigen sozialen Umfeld
Dazu sei festgehalten:
Es geht uns allein um die Nachfolge Jesu, nicht darum, jemanden aus seiner bisherigen Umgebung herauszureißen. Natürlich führt das neue Lebensziel eines Menschen auch zu neuen Kontakten und zum Nachlassen bisheriger Kontakte. Aber ein totaler Bruch ist und war nie unser Ziel. Manchmal führt aber eine feindselige Einstellung von Familienangehörigen dazu, daß Gemeinschaft tatsächlich nicht möglich ist. Dieser Bruch ist aber die Folge der Ablehnung durch das bisherige soziale Umfeld.
Aus den Worten Jesu wissen wir um die höchste Priorität der Nachfolge, die auch zu einer Zurückstellung bisheriger Kontakte führt (z. B.: Lk 9,57-62; 14,26-27). Was bei uns als Kennzeichen einer Sekte gewertet wird, gilt in anderen Bereichen als Zeichen einer besonderen Heiligkeit und Entschlossenheit. Wenn etwa Franz von Assisi sich in einer Weise von seiner Familie distanziert hat, wie es noch keiner von den Geschwistern gemacht hat, heißt das dann etwa, daß er sich einer totalitären Sekte angeschlossen hat?

b) psychische Manipulation des neuen Anhängers, u.a. auch durch Angst- und Schuldgefühle, die eine psychische Veränderung und Abhängigkeit innerhalb kurzer Zeit bewirkt
Ein schwerwiegender Vorwurf, der unbewiesen bleibt. Mit anderen Worten: eine Verleumdung. Angst- und Schuldgefühle können einen Menschen nicht bleibend positiv verändern.

Wir erfahren in unserem Leben die Veränderung, die Jesus in seinen Nachfolgern bewirkt. Die Bibel geht davon aus, daß das Christwerden eine derart große Veränderung bewirkt, daß sie sogar von einer Neugeburt spricht.

Diese Veränderung wird nicht durch Angst hervorgerufen, sondern wird als Befreiung von Schuld und Abhängigkeiten erfahren. Wir sind von Jesus abhängig, aber diese Abhängigkeit bewirkt gerade eine große Befreiung und Eigenständigkeit.

Wir üben keinen versteckten Druck aus. Jemand, der psychischen Druck zur Manipulation verwendet, hat in einer christlichen Gemeinde nichts verloren.

Manche unserer Geschwister haben allerdings von ihren Familien und ihrer früheren religiösen Umgebung einen sehr starken psychischen Druck erfahren, mitunter auch mit körperlicher Mißhandlung verbunden. Von derartigen Methoden haben wir uns immer distanziert, eine Haltung, die wir auch in der Zukunft beibehalten werden.

c) emotionale und materielle Abhängigkeit der Mitglieder von der Gruppe
Der Vorwurf der “emotionalen Abhängigkeit” trifft in irgendeiner Weise auf jede Gemeinschaft zu, bei der jemand gerne dabei ist. Jede freundschaftliche Beziehung bewirkt Emotionen. Aber bin ich schon “emotional abhängig”, nur weil ich mit meinen Freunden gerne zusammen bin? Ist es “emotionale Abhängigkeit”, wenn jemand seiner Frau Treue bis zum Tod verspricht?

Für uns ist völlig klar, daß Emotionen niemals die Basis für eine dauerhafte Gemeinschaft darstellen können. Wir sind sicher gerne zusammen. Die Grundlagen der Gemeinschaft sind aber rational nachvollziehbar: die Offenbarung Gottes in der Bibel und insbesondere in Jesus.

Genauso wenig wie bei einem Auto die Farbe und das Material der Sitzbezüge das Wesentliche ist, sondern es immer auf die Funktionalität und die Leistung des Motors ankommt, steht im Leben eines Christen nicht das Gefühlsleben im Zentrum, sondern der auf der biblischen Wahrheit basierende Glaube. Die Liebe, die wir einander zeigen, ist weniger ein Gefühl, sondern zeigt sich im aktiven Dienst aneinander.

Was meint Herr Kluge mit “materieller Abhängigkeit”? In irgendeinem Sinn ist die Gütergemeinschaft eine Abhängigkeit voneinander. Sie funktioniert aber nur auf der Basis des Vertrauens und der Liebe, nicht auf der Basis von notfalls durch Sanktionen exekutierter Regeln (wie in diversen Ordensregeln siehe oben zu “Gemeindebild” unter d). Aber das ist keine Abhängigkeit von einer anonymen Gruppe, sondern das Teilen mit persönlich gut bekannten Geschwistern, die nicht irgendwo abgesondert leben, sondern ihr Leben mit uns teilen.

Wenn man schon von Abhängigkeit spricht, dann ist es so, daß es vor allem ältere Geschwister sind, die ihr Geld dafür geben, daß auch jüngere Geschwister, deren Eltern ihre Kinder nicht mehr unterstützen wollen, eine gute Ausbildung erhalten. Mitunter meinen ungläubige Eltern, ihre Söhne und Töchter durch Zudrehen des Geldhahns, also durch Ausnützung der materiellen Abhängigkeit von den Eltern, zum Aufgeben ihres Glaubens zwingen zu können. Wenn dann Geschwister einspringen, sollen hier aber keine materiellen Abhängigkeiten aufgebaut werden. Wir wollen die Selbständigkeit jedes einzelnen Bruders fördern. Immerhin gibt auch Herr Kluge zu, daß wir niemanden ausbeuten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wir streben nach der selben Gesinnung, die auch Paulus für seine jüngeren Geschwister, seine “Kinder” im Glauben hatte:

“… denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn die Kinder sollen nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder.” (2. Korinther 12,14b)

Wir stellen als Gemeinschaft keine Rechtspersönlichkeit dar und wollen es auch nicht sein, auch wenn es uns vielleicht gewisse finanzielle Vorteile brächte, wie sie von diversen Religionsgemeinschaften genutzt werden. So hat auch die “Gruppe” keinerlei Eigentum. Gemeinsam genützte Wohnungen (sofern es sich nicht um Mietwohnungen handelt) oder Autos sollen offiziell möglichst vielen gehören. Die geschwisterliche Struktur der Gemeinde soll sich auch in den Eigentumsverhältnissen ausdrücken.

Im Gegensatz zur freiwilligen Gütergemeinschaft unter Christen findet man in manchen religiösen Gruppen, vor allem im katholischen Bereich, die Verpflichtung, allen Besitz der jeweiligen Gemeinschaft zu übertragen. Hier wird wirklich materielle Abhängigkeit geschaffen.

d) die überragende Bedeutung der Gruppe, Einschränkung der Individualität und der Privatsphäre
Jede Form von Gemeinschaftsleben schränkt “Individualität und Privatsphäre” ein, sofern es wirkliches Gemeinschaftsleben ist und nicht ein “Absitzen” einer wöchentlichen Liturgie. Liebe heißt doch gerade, daß ich nicht für mich und meine Wünsche leben will, sondern mein Leben für die Brüder hingebe (1. Joh 3,16). Aber diese “Einschränkung”, durch die man in Wirklichkeit auch vieles gewinnt, ist kein Verlust der Persönlichkeit, sondern im Gegenteil kann der Christ gerade in der Hingabe seine Gaben am besten entfalten.

Die überrragende Bedeutung liegt aber nicht in der “Gruppe”, sondern in der Person Jesu, der uns zur Gemeinschaft berufen hat. Wir werden uns auf jeden Fall hüten, unserer konkreten Gemeinschaft die Bedeutung zu zumessen, wie es etwa die römisch-katholische Organisation in ihren offiziellen Texten tut.

“[Die heilige römische Kirche …] glaubt fest, bekennt und verkündet, daß niemand außerhalb der katholischen Kirche – weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr anschließt.” (Konzil zu Florenz, Lehrentscheid für die Jakobiten 1442, Neuner-Roos, Nr. 381)

Es handelt sich hierbei um eine “endgültige, unfehlbare Entscheidung des kirchlichen Lehramtes” (Neuner-Roos, S. 23), die allen anders lautenden ökumenischen Erklärungen zum Trotz auch heute noch gültig ist.

e) übersteigertes Elitebewußtsein, Abkapselung der Gruppe nach außen (“Organisationsgrenzen sind Wahrheitsgrenzen”)
Wie wir bereits weiter oben (zu “Gemeindebild” unter e) feststellten, verstehen wir uns nicht als Elite, sondern als Christen, nicht mehr und nicht weniger. Innerhalb der Gemeinde Gottes gibt es Brüder und Schwestern, aber keine Elite. Wir kapseln uns von keinen anderen Christen ab, ziehen uns auch nicht aus der Welt zurück, haben allerdings wie die ersten Christen nur mit denen Gemeinschaft im Glauben, von denen wir wissen können, daß sie unsere Brüder und Schwestern im Herrn sind.

“Übersteigertes Elitebewußtsein” läßt sich allerdings in manchen katholischen Gruppen feststellen, die sogar ausdrücklich “Elite” sein wollen.

“Dutzendmensch werden? Du … zum großen Haufen gehören, der du zur Führung geboren bist?! Bei uns haben Laue keinen Platz. Sei demütig, und Christus wird aufs neue in dir die Glut seiner Liebe entfachen.” (Josemaría Escrivá [Gründer des Opus Dei], Der Weg, 3 Auflage 1967, Nr. 16)

Der Satz “Organisationsgrenzen sind Wahrheitsgrenzen”, trifft nicht auf uns zu. Die Wahrheit ist für jeden offenbar in der Bibel, wir haben hier keinerlei Monopol, wie es die römisch-katholische “Kirche” lange Zeit (und im Grunde auch noch heute) für sich beanspruchte.

f) dualistische Weltsicht (klare Einteilung in Gut und Böse) mit ausgeprägtem Feindbild
Wir unterscheiden klar zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Lüge bis in das Privatleben hinein, wo uns jede Lüge fern ist, auch wenn wir dadurch etwa Nachteile am Arbeitsplatz erleiden müssen. Aber ist diese klare Trennung zwischen Gut und Böse schon eine dualistische Weltsicht? Wenn Johannes zwischen Kindern Gottes und den Kindern des Teufels (eine Bezeichnung, die wir, um Mißverständnisse zu vermeiden, nicht verwenden) unterschied, war er deswegen Dualist?

Wir lehnen ein Weltbild ab, das alles entweder durch einen allmächtigen Gott oder durch einen fast allmächtigen Satan erklärt. Der Mensch ist in seine freie Verantwortung hineingestellt und nicht ein Tier, auf dem, wie Luther (Vom unfreien Willen, 1525; Weimarer Ausgabe 18, 615) es ausdrückte, entweder Gott oder Satan reitet.

Wir haben aber dennoch ein “ausgeprägtes Feindbild”:
Unser Hauptfeind ist die Sünde und als Sonderfall der Sünde alle Irrlehren, die das Christentum entstellen. Wir sehen aber niemals Menschen als unsere Feinde. Freilich haben wir oft deren Feindschaft zu erdulden (auch aufgrund des “Feindbildes”, das manche “Sektenexperten” durch ihre Agitation auf alle, die nicht einer traditionellen Konfession angehören, projizieren).

g) ausgesprochen negatives Weltbild
Unsere Sicht der Welt wurde schon eingangs (zu “Weltbild”) eingehender erläutert und muß hier nicht wiederholt werden. Wir sehen die Welt als Gottes gute Schöpfung, und haben auch viel Freude in dieser Welt. Wir distanzieren uns nur von den Sünden, die durch die freie Entscheidung von Menschen sehr vieles in dieser guten Welt zerstört haben.

h) Versprechen eines sicheren Heilswegs, wenn man sich den Regeln der Gruppe unterwirft. Der einzige Weg zum persönlichen Heil besteht darin, das Lebensmodell der Gruppe vollkommen für sich zu übernehmen. Jede andere Lebensweise wird als grundsätzlich falsch abgelehnt.
Unser Heil liegt in Jesus, nicht in unserem Lebensstil. Der Lebensstil ist eine Folge des ergriffenen Heils. Wir lehnen jede Lebensweise ab, die im Widerspruch zum Neuen Testament steht, erheben aber unsere Lebensweise nicht zur “allein seligmachenden” Norm.

Aber es war gerade die römisch-katholische Organisation, die das Heil an die “Gruppenzugehörigkeit” geknüpft hat:

“Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig: Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir.” (Bulle Unam Sanctam, 1302: Neuner-Roos Nr. 430)

Die Katholiken bieten das Heil auch durch genaue Befolgung von rituellen Handlungen an, wie es etwa “Maria” an Lucía, die Seherin von Fatima “geoffenbart” hat:

“Schau, meine Tochter, mein Herz umwunden von den Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen zu jedem Augenblick aufgrund ihrer Lästerungen und Undankbarkeiten durchbohren. Versuche wenigstens du mich zu trösten und verkünde von mir aus, daß ich verspreche, all denen in der Todesstunde mit den für ihr Seelenheil notwendigen Gnaden beizustehen, die am ersten Samstag fünf aufeinanderfolgender Monate beichten und die Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir 15 Minuten Gesellschaft leisten, indem sie die Rosenkranzgeheimnise betrachten, um mir Sühne anzubieten.” ( “Offenbarung” an Lucía am 10.12.1925, zitiert in Marienlexikon, Hg. Bäumer, Scheffczyk, 2. Band, S. 447)

Mit dem Christentum hat das freilich nichts mehr zu tun.

i) sehr rigorose Moralforderungen und starke Betonung des Gehorsams
Unser Maßstab ist der Maßstab Jesu, der uns auffordert, so vollkommen zu sein, wie der Vater im Himmel (Mt 5,48). Dieser Maßstab bleibt bestehen, auch wenn wir wissen, daß wir uns dieser geforderten Vollkommenheit in diesem irdischen Leben nur annähern, sie aber nicht erreichen werden. Aber wir wollen diesem Ziel in unserem Leben nachjagen. Das Ziel höchster Moral ist immer mit Erbarmen für die verbunden, die zwar sündigen, aber dennoch kämpfen wollen. Menschen, die in den Sünden leben wollen, haben aber in der Gemeinde Gottes keinen Platz. Der Sauerteig der Sünde darf nicht geduldet werden. (1. Korinther 5)

Gehorsam ist eine Grundtugend des Christentums. Paulus schrieb in Röm 1,5 vom Glaubensgehorsam. Es geht aber immer um Gehorsam Gott gegenüber. Der Gehorsam, der in katholischen Ordensgemeinschaften dem Abt oder Prior versprochen wird, erhebt Menschen in eine Position, die alleine Gott zusteht.

Ein Beispiel für diesen absoluten Gehorsam unter den Papst und dessen Apparat finden wir aus der Feder des “heiligen” Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens:

“… so daß wir uns alle ereifern, kein Jota der Vollkommenheit zu versäumen, … und alle unsere Kräfte vorzüglich in diese Tugend des Gehorsams hineinlegen, zunächst dem Papst, dann den Oberen der Gesellschaft gegenüber … und jede eigene Ansicht und eigenes Urteil, die sich dem widersetzen, in blindem Gehorsam verleugnen, (wie gesagt) in allen vom Obern angeordneten Dingen, an denen nicht irgendein Schein der Sünde ist, indem wir bedenken, daß alle, die unter dem Gehorsam leben, sich von der Göttlichen Vorsehung durch den Obern so tragen und lenken lassen müssen, als wären sie ein Leichnam, der sich nach überallhin versetzen und in jeder Weise behandeln läßt, oder als wären sie ein Greisenstab, der in der Hand dessen, der ihn führt und sich seiner bedienen will, überall und zu jeder gewünschten Sache dient…” (Aus den Satzungen der Gesellschaft Jesu: Die großen Ordensregeln, S. 376-377)

“Gehorcht, wie ein Werkzeug in der Hand des Künstlers gehorcht, das sich nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut. Seid überzeugt, daß man euch nie etwas auftragen wird, das nicht gut ist und nicht zur Ehre Gottes gereicht.” (Josemaría Escrivá, Der Weg, 3. Auflage 1967, Nr. 617)

“Gehorchen sicherer Weg. Den Vorgesetzten mit rückhaltlosem Vertrauen gehorchen Weg der Heiligkeit. Gehorchen in deinem Apostolat der einzige Weg; …” (Josemaría Escrivá, Der Weg, 3. Auflage 1967, Nr. 941)

Wieder möge der unvoreingenommene Leser selber beurteilen, wo hier sektenhafte Züge festzustellen sind.

j) schlimme Folgen im Falle des “Abfalls”
Warnungen vor dem Abfall finden sich bei allen Autoren des Neuen Testaments, so im Munde Jesu etwa in Mt 5,13; Mk 9,43-50; 13,13; Lk 19,11-26; Joh 15,2.6; weiters in Apg 20,30; bei Paulus z. B. in 1. Tim 5,15; 2. Tim 2,12. Ferner warnt Barnabas in Hebr 3,13-14; 6,4-8 und 10,26-31 eindringlich vor der Gefahr des Abfalls. Auch Jakobus (1,13-15), Petrus (2 Pet 2,21-22), Johannes (1. Joh 5,16; Offb 14,9-12; 21,8) und Judas (22.23) kennen diese Gefahr. Waren also nach Herrn Kluges Maßstab Jesus und alle Autoren des NT Sektierer?

Auch in katholischen Dogmen wird immer wieder mit dem Abfall gedroht. In der bereits erwähnten Apostolischen Konstitution Pius’ XII. “Munificentissimus Deus” aus dem Jahre 1950 reichen sogar schon bewußte Zweifel an der Lehre der Aufnahme Mariens in den Himmel zum Abfall:

“Wenn daher, was Gott verhüte, jemand diese Wahrheit, die von Uns definiert worden ist, zu leugnen oder bewußt in Zweifel zu ziehen wagt, so soll er wissen, daß er vollständig vom göttlichen und katholischen Glauben abgefallen ist.” (Neuner-Roos 487)

Ist auch die katholische Kirche eine Sekte? Die Lehren, für deren Nichtannahme sie den Abfall androht, sind allerdings biblisch nicht gedeckt!

Wir jedenfalls würden die Botschaft Jesu verfälschen, warnten wir nicht vor dem Abfall.
Prophezeiungen schlimmer irdischer Konsequenzen, die auch Hassan in seinem Buch als Kennzeichen eines “Kultes” erwähnt, sind uns aber fern. Wir wünschen niemandem etwas Böses. Es ist nur traurig, wenn man sehen muß, wie Menschen, die bereits aus einer tiefen Beziehung zu Gott gelebt haben, die Quelle ihres Heils (welche Christus ist, nicht die Gemeinde) von sich stoßen.

k) Die Außenbeziehungen sind vom Gruppenegoismus geprägt. Sie dienen der Mitgliederrekrutierung. Ein selbstloses Engagement für andere (soziale Aktivitäten) ist nicht vorhanden.
Als Paulus sich in selbstloser Liebe in der Mission hingab, um Menschen für Christus und damit auch für die Gemeinde zu gewinnen, war er etwa vom “Gruppenegoismus” geprägt? Bekanntlich hat Paulus auch kein Sozialwerk ins Leben gerufen, sondern nur “Mitglieder” für die christliche Gemeinde “rekrutiert”. Die Sammlung für die Heiligen diente ja auch nur bedürftigen “Gruppenmitgliedern”. So etwa müßte man Paulus nach Herrn Kluges Maßstäben kritisieren.

Der größte Schatz, den Gott uns geschenkt hat, ist das Evangelium, die Botschaft, die die Menschen vom Tod zum Leben ruft. Diese Botschaft wollen wir weitergeben, nicht aus Gruppenegoismus heraus, sondern um die Menschen am ewigen Leben in Christus teilhaben zu lassen. Unser Ziel ist, daß die Menschen Gott kennenlernen, die Gemeinschaft mit ihnen ist eine Folge, einfach, weil die Liebe zu Gott zur Bruderliebe und zur Gemeinschaft führt.

Es zeigt sich ja auch am Leben, was im Zentrum steht.

Von “Gruppenegoismus geprägte Rekrutierung neuer Mitglieder” führt nicht zu einer Veränderung des Lebens, führt nicht zu Sieg über Sünde, führt nicht zu Selbstlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit, sondern sie will Mitglieder um jeden Preis gewinnen. Aber auch Herr Kluge gibt zu, daß es uns nicht darum geht, jemanden “um jeden Preis zu halten”

Die Basis der Lehre und der Wahrheit muß immer gewahrt bleiben.

Wie schon angeführt, gibt es katholische Organisationen (z. B. die Legio Mariae), die jede soziale Tätigkeit ablehnen, weil sie sich dadurch in ihren eigentlichen Aufgaben behindert sehen.

Wir stehen dem sozialen Einsatz nicht derartig ablehnend gegenüber, doch gibt es erfreulicherweise heute doch eine Vielzahl von Organisationen, die sich um verschiedenste Formen der Hilfe für sozial Benachteiligte bemühen. Andererseits sind leider nur sehr wenige Arbeiter im großen Weinberg Gottes, die ihren Einsatz auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Wenn auch “nebenbei” immer wieder auch sozial Benachteiligten außerhalb der Gemeinde geholfen wird, können wir unsere Hauptaufgabe darin nicht sehen.

Zusammenfassung
Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese “unübersehbaren Symptome”, die uns “mit Sicherheit in den Bereich der sogenannten Sekten und Psychokulte” einordnen, als zum Teil völlig unzutreffend. Die Kriterien, die wenigstens teilweise wirklich zutreffen (Punkte a, i, j), kanzeln auch eine biblische Wahrheit als sektiererisch ab. In diesem Fall ziehen wir es vor, uns als Sekte beschimpfen zu lassen, als von der biblischen Wahrheit abzuweichen.
Überdies kommen alle diese Symptome auch in der römisch-katholischen “Kirche” oder wenigstens einiger ihrer Teilorganisationen vor. Da zusätzlich auch noch die vier Kriterien, von denen uns Herr Kluge “freispricht”, auf die Katholiken oder deren Unterorganisationen zutreffen, müßte Herr Kluge noch mit viel größerer Sicherheit seine eigene Organisation als Sekte bezeichnen.

“Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe.” (Römer 2,1)

In diesem Zusammenhang sei auch auf die von Herrn Kluge abweichende Beurteilung eines ungarischen Religionssoziologen hingewiesen, der sich persönlich intensiv mit dem Leben der ungarischen Geschwister auseinandergesetzt hat und, auch wenn er uns in vielen Punkten nicht zustimmt, zu folgendem Urteil kommt:

“…kann keineswegs unter die die Menschenwürde schädigenden und die Gesellschaft gefährdenden destruktiven religiösen Erscheinungen eingereiht werden. Auch dann nicht, wenn einzelne ihrer Verhaltensweisen z. B. die Mission bei religiösen Veranstaltungen diskutabel sind. Ihre hochgesteckten Maßstäbe, kritischen Stellungnahmen, Glaubenssätze, Wertordnungen und Lebensformen sind natürlich sowohl vom theologischen als auch psychologischen und soziologischen Standpunkt her bestreitbar, aber ihre summarische Verurteilung qualifiziert den Aburteiler negativ.”

(Kamarás István in seiner derzeit noch unveröffentlichten Abhandlung A “Keresztények” [Die “Christen”])

Im weiteren stimmt Herr Kluge unserer “Kritik an Kirche und Welt” in manchen Punkten zu und findet auch unser “Engagement” und unsere “Ernsthaftigkeit, den richtigen Weg zu finden, durchaus beispielhaft”. Dieses Lob steht in einer Spannung zu allem, was vorher kritisiert wurde.

Plötzlich ist das “Bemühen um enge Gemeinschaft” beispielhaft und nicht mehr Bewußtseinskontrolle. Er lobt unsere “Bereitschaft, anderen vom eigenen Glauben mitzuteilen”. An anderer Stelle schrieb er von Indoktrinierung.

Nach dem kurzen Lob kommt allerdings wieder die Kritik, “daß das hier entwickelte System schon ins andere Extrem schlägt. Es leistet einer Gesetzlichkeit Vorschub und hat den Boden der Botschaft Jesu weit hinter sich gelassen.”

Jeder, der uns kennt, wird sehen, daß wir nicht an sich gute Anliegen “fanatisch übertreiben”, daß wir auch nicht irgendein System entwickelt haben. Wie auch schon weiter oben (zu “Gottesbild”.) ausgeführt, trifft der Vorwurf der Gesetzlichkeit auf unser Leben nicht zu.

Wenn Herr Kluge uns mit den Pharisäern der Zeit Jesu vergleicht, zeigt sich wieder, daß gerade die von ihm angeführten vier Vergleichspunkte auf uns nicht zutreffen, wohl aber wenigstens auf Teile von Herrn Kluges eigener Organisation:

a) das strenge Halten an Regeln und Gesetze, um sich damit das Heil zu sichern
Es wurde schon wiederholt ausgeführt, daß wir unser Heil nur in Jesus haben, daß wir auch keinerlei Regeln und Gesetze kennen. Unsere einzige Autorität ist die Bibel (was Herr Kluge auch anerkennt). Wir sind nur davon überzeugt, daß ein Leben aus dem Glauben sich im Halten der Gebote Jesu verwirklicht, wie auch Jesus sagt: “Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.” (Joh 14,15)

b) eine hochmütige Haltung gegen Nicht-Pharisäer und Sünder, denen man ein Leben nach Gottes Willen absprach
Da uns Herr Kluge einen ausgeprägten Wunsch zur Mission zugesteht, wird gerade daraus sichtbar, daß wir uns um Sünder bemühen wollen, sie zur Umkehr führen wollen und sie nicht in ihren Sünden sterben lassen wollen. Die Pharisäer kannten keine Mission (Mt 23,15 ist wohl so zu verstehen, daß Pharisäer unter gottesfürchtigen Heiden, die sich jüdischen Synagogen angeschlossen haben, insofern aktiv waren, daß sie sie zur Beobachtung des jüdischen Gesetzes und der pharisäischen Traditionen verpflichten wollten.).

c) das Bewußtsein, eine auserwählte Elite darzustellen
Wir haben kein anderes “Elitebewußtsein” als das, daß wir Christen sind und zu “einem auserwählten Geschlecht, einem königlichen Priestertum, einer heiligen Nation” (1. Petr 2,9) gehören. Innerhalb der Christen kann und darf es keine Elite geben. In manchen katholischen Gruppen hingegen wird das Elitebewußtsein sehr gefördert.

d) das konsequente Meiden des Umgangs mit Nicht-Pharisäern und besonders die Ablehnung jedes Zusammenseins mit Sündern
Die Wiederholung dieses Vorwurfs ändert nichts an dessen Unrichtigkeit. Wir unterscheiden zwar klar zwischen Christen und Nichtchristen und wissen, daß wir geistliche Gemeinschaft nur mit Christen haben können. Wir betrachten aber niemanden als unrein und achten jeden Menschen in seiner Würde und bieten auch jedem Menschen das Heil in Jesus Christus an.

Der aufmerksame und kritische Leser, der bei Herrn Kluge keine “inhaltliche Auseinandersetzung mit der Lehre” gefunden hat, ist herzlich eingeladen, sich unabhängig von dessen Schrift selber ein Bild zu machen, und den Kontakt mit der christlichen Gemeinde zu suchen. Wir sind bereit, über alles Rede und Antwort zu stehen und mit Interessierten nicht nur das Evangelium, sondern auch unser Leben zu teilen (1. Thess 2,8). Wer sich nicht von “Sektenexperten” einschüchtern läßt, sondern bereit ist, selbst zu prüfen, wird sehen, daß die Auseinandersetzung mit der Lehre kein “Kleinkrieg um die Auslegung dieser oder jener Bibelstelle” ist, sondern daß es einfach darum geht, wie weit wir bereit sind, die Worte Jesu auch heute noch ernst zu nehmen, aus erstarrten Krusten aufzubrechen und die Botschaft und die beispielhafte Lebenspraxis Jesu in die Realität umzusetzen.

Unser Kritiker mahnt, auf die Früchte zu sehen. Wer all das Leid und Unglück, das gerade die katholische “Kirche” über Millionen von Menschen gebracht hat, alle im Namen des Christentums Gefolterten, Gequälten und Ermordeten, all die, die wegen ihres Glaubens die Heimat verlassen mußten, ihre Kinder katholischen Familien überlassen mußten, wer sieht, wie auch heute noch in katholischen Organisationen die Menschenrechte mißachtet werden, wie im Jahr 2000 mit Pius IX. ein Kindesentführer auf dem Papstthron, der politische Gegner hinrichten ließ und die Religionsfreiheit als Irrweg bezeichnet hat, selig gesprochen und damit als Beispiel einer “geglückten Lebenspraxis” hingestellt wurde, weiß wo die Wölfe im Schafspelz sind.

Die Verleumdungen unserer Kritiker werden uns nicht daran hindern, in der Freiheit zu leben, die uns Christus durch seine Hingabe bis in den Tod hinein erworben hat, und diese Freiheit allen Menschen weiterzugeben. Unser Engagement zur Umgestaltung der Welt, das gerade in der Befreiung durch den Glauben liegt, werden wir unverändert fortsetzen.

zu “Verbreitung”

“…und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. ” (Apostelgeschichte 1,8)

zu “In welchen Gegenden ist die Gruppe aktiv?”

Jesus hat in der im Titel dieses Abschnittes zitierten Stelle seinen Jüngern ihren geographischen Einsatzbereich vorgegeben: “bis an das Ende der Erde”.

Natürlich kennen wir nur Geschwister in einem kleinen Bereich dieses umfassenden Gebietes. Da wir im Gegensatz zu Herrn Kluges Feststellung, daß “Organisationsgrenzen Wahrheitsgrenzen” seien, dennoch glauben, daß es Christen nicht nur bei uns gibt, ist mit einer weltweiten Aktivität der “Gruppe”, d. h. der Gemeinde, zu rechnen.

Aufgrund immer wiederkehrender Verhetzungskampagnen können wir hier keine Liste der uns bekannten christlichen Gemeinschaften veröffentlichen. Falls jemand interessiert ist, uns kennenzulernen, freuen wir uns über jede Nachricht (durch E-mail), die uns erreicht. Jeder Suchende, egal, wo er auch wohnen mag, soll die Möglichkeit haben, mit Christen in Verbindung zu treten.

zu “Beziehungen zur Außenwelt”

“Wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden!” (Römer 12,18)

Unsere Beziehungen zur Umwelt werden von unserer Beziehung zu Gott geprägt. Es gibt keine Abkapselung um der Abkapselung willen. Wir stehen im Leben, im Beruf, in der Ausbildung, wie die meisten anderen Menschen auch. Unser “Familienleben” verbringen wir natürlich vor allem mit den Geschwistern. Daß wir mit denen, die einen anderen Weg gehen wollen, weniger Gemeinschaft haben, braucht nicht zu verwundern.

Der Anspruch Jesu, der erste in unserem Leben zu sein, führt zu Konsequenzen. Manche von uns haben die Wirklichkeit dieses Wortes Jesu erfahren:

“Meint nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.” (Matthäus 10,34-36)

Natürlich wollte Jesus Frieden bringen. Doch die Ablehnung des Anspruches Jesu führt unter engsten Vertrauten zu Reaktionen, die man ihnen vorher nicht zugetraut hätte. Menschen, mit denen man bisher friedlich zusammen leben konnte, wurden zu Gewalttätern. Diese Erfahrung mußten auch manche der Geschwister machen.

Leider haben auch gerade “Sektenexperten”, die den Menschen irrationale Ängste einpflanzen, zu derart aggressiven Handlungen beigetragen, auch wenn sie selber jede Aggression ablehnen.

Es ist gewiß ein Trost, geschwisterliche Gemeinschaft zu erfahren, wenn man von der eigenen Familie Ablehnung oder sogar Gewalt erfährt.

Daß die Gefühle zu Angehörigen, die sich auf solche Weise von Christen entfremdet haben, nachlassen, ist auch kein Wunder.

Es wurden nie “massive Unterhaltsforderungen” gestellt, sondern Eltern, die nicht bereit waren, etwa für die Ausbildung ihrer Kinder aufzukommen, wurden an ihre gesetzlichen Verpflichtungen erinnert. Es gibt auch keinen Grund, warum Christen auf ihr gesetzmäßiges Erbe verzichten sollen. Oder will Herr Kluge etwa das Erbrecht von der Religionszugehörigkeit abhängig machen?

In zahlreichen Fällen, in denen sich Eltern von Christen aus ihrer Verantwortung gestohlen haben, sorgte und sorgt die Gemeinde (vor allem mit dem von den “älteren Geschwistern”, denen Herr Kluge implizit Geldgier unterstellt, verdienten Geld) für den Lebensunterhalt der von ihren Eltern fallen gelassenen Geschwister.

Als Jesus seine Jünger rief, haben sie, mit Herrn Kluges Worten ausgedrückt, “die früheren Aktivitäten abrupt beendet.” Sie waren mit Jesus zusammen und richteten “ihre Außenkontakte vor allem auf die Mission und Mitgliederwerbung” aus. Wir machen dasselbe, nur der Ausdruck “Mitgliederwerbung” trifft auf uns genauso wenig wie auf die ersten Jünger Jesu zu.

Als Jesus von seinen Verwandten gesucht wurde, “negierte er” um Herrn Kluges Worte zu verwenden, “bisherige menschliche Beziehungen völlig.”

“Und es kommen seine Mutter und seine Brüder; und sie standen draußen,sandten zu ihm und riefen ihn. Und eine Volksmenge saß um ihn her; sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! Wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.” (Markus 3,31-35)

Wir sind dort, wo unser Herr und dessen Brüder und Schwestern sind.

Herrn Kluges Aussagen zum Trotz ist und bleibt unsere Umwelt nach wie vor interessant. Wir sehen sie nur mit neuen Augen. Es stimmt, daß uns Themenfelder wie Fußball, Rockmusik, Autorennen … “schwer fallen”. Aber ist das ein Mangel? Gerade auf der Basis des Glaubens haben wir auch offene Augen und Ohren für die Vorgänge in der Welt, in der wir leben. Durch den Glauben gewinnen wir auch eine verstärkte Unabhängigkeit und sind den Modetrends und Tendenzen der Gesellschaft nicht unkritisch ausgeliefert. Den Vorwurf von Fanatismus und Intoleranz weisen wir zurück. Zum Thema Toleranz wurde schon weiter oben (zu “Weltbild”) Stellung genommen. Fanatismus, laut Dudens Herkunftswörterbuch “blinde, hemmungslose Begeisterung” ist das Gegenteil der Entschlossenheit eines Christen. Wir folgen nicht blindlings einer wirren Idee, sondern Jesus unter Einsatz auch unseres ganzen Verstandes, “brennend im Geist” (Röm 12,11) und gerade deswegen nüchtern (1. Petr 1,13).

zu “Glaube und Lebensgefühl”

“… gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt im Glauben, … darin überströmend mit Danksagung.” (Kolosser 2,7)

Dieser Abschnitt von Herrn Kluges Abhandlung würde einen objektiven Autor vorausgesetzt eine intensive Beschäftigung durch zahlreiche Gespräche mit den Betroffenen erfordern. Da davon keine Rede sein kann, ist dieser Abschnitt von vornherein sehr subjektiv und spekulativ ausgefallen.

Es ist aber trotzdem interessant zu sehen, wie Herr Kluge “Verstand” und “Herz” trennt, was in biblischer Sicht doch eine Einheit darstellt. Die reduzierte Interpretation des “Herzens” auf das Gefühlsleben entspricht dem heutigen Subjektivismus, ist aber biblisch keineswegs gedeckt.

Es ist leider eine traurige Tatsache, daß sich viele Menschen in die Irrationalität flüchten. Aber Herrn Kluges Vorwurf, daß “man sich gerne in die Rationalität flüchtet” und “versucht, vor allem auf der logischen Ebene der Gedanken bzw. der Lehre zu agieren”, ist einmalig. Halten wir nun die Menschen durch “Bewußtseinskontrolle” vom Denken ab oder flüchten wir uns in die Rationalität? Dieser Widerspruch ist nur mehr auf einer irrationalen Ebene auflösbar.

Schon vor mehreren Jahren wurde uns von einer katholischen Organisation der Vorwurf gemacht, daß wir die Menschen “mit logischen Argumenten verwirren”.

Auf die selbe Ebene der Irrationalität und Unlogik hat sich auch Herr Kluge begeben. Wir werden aber nicht aufhören, Gott mit unserem Verstand zu suchen und zu lieben.

“Gott hat für intellektuelle Drückeberger genauso wenig übrig wie für alle anderen Drückeberger. Wer Christ werden will, der sei gewarnt: Er läßt sich da auf etwas ein, das den ganzen Menschen fordert, und dazu gehört auch der Verstand. Es geht vielmehr gerade andersherum. Jeder, der ehrlich versucht, ein Christ zu sein, wird bald merken, daß sein Verstand an Schärfe zunimmt.” (C.S. Lewis, Pardon ich bin Christ, 6. Auflage, 1982, S. 65)

Was unser Gefühlsleben betrifft, so führt die Liebe zu Gott und zu den Geschwistern zu einem ausgeglichenen Leben. Wir haben keine “Angst vor wahren Gefühlen”. Die Gefühle gehören zum Leben, sind aber nie das bestimmende Motiv im Leben eines Christen.

Daß der Einsatz für Gott absoluten Vorrang hat, ist für Christen der Normalfall. Sonst dürften wir uns nicht Jünger Jesu nennen. Aber es ist nicht die Angst, die uns bestimmt.

“Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, daß wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.” (1. Johannes 4,17-19)

Mit dem Wort aus Lk 9,62 “Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.” wollte Jesus nicht Angst machen, sondern ermuntern, alle unsere Kräfte für das einzige bleibende Ziel einzusetzen. Das Lesen solcher Worte macht uns nicht Angst, sondern Mut.

Welche Bedeutung aber haben diese Worte in den etablierten “Kirchen”, in denen die überwiegende Mehrheit gewiß nicht in Gefahr ist, zurückzublicken, weil sie sich in ihrem Leben in keiner Weise von Ungläubigen unterscheiden und überhaupt keinen Gedanken in die Richtung haben, die Hand an den Pflug des Reiches Gottes zu legen?

Würde Herr Kluge all seine katholischen und evangelischen Geschwister dadurch charakterisieren, daß ihr Leben durch große Ernsthaftigkeit geprägt ist? Fast könnte man seinen Kommentar als Lob verstehen, da es ja gut ist, sich “ständig zu bemühen, richtig zu handeln”, aber mit der Schilderung des “Eindrucks, als würde hier wie auswendig gelernt gesprochen” kehrt er doch hintergründig wieder zum Standardvorwurf der Indoktrinierung und Manipulation zurück.

Daß “ehemalige Mitglieder” das Leben der Gemeinde kritisieren, braucht einen nicht zu wundern. Welcher ehemalige Katholik lobt seine Ex-Kirche? (Auch von zahlreichen zahlenden Mitgliedern hört man oft nichts anderes als Kritik.)

Wir akzeptieren, wenn jemand andere Ziele als Gott hat. Wir jedoch finden unser bleibendes Glück nicht in den vergänglichen Dingen.

“da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig.” (2. Korinther 4,18)

Wir empfinden das irdische Leben aber nicht als Strafe, sondern als Vorgeschmack der ewigen Herrlichkeit.

zu “kaum Privatsphäre”

“So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart.” (1. Thessalonicher 2,8)

Gott ruft uns zur Gemeinschaft. Das Beispiel Jesu verpflichtet uns, das Leben für die Brüder hinzugeben (1. Joh. 3,16). Diese Lebenshingabe besteht im gegenseitigen Dienen, im Dasein füreinander.

Herrn Kluges Vorwurf “Gemeinschaft statt Privatsphäre” verkennt das Wesen christlicher Gemeinschaft. Niemand würde die Fragestellung “Familie statt Privatsphäre” als berechtigt sehen, da das Familienleben als Teil der Privatsphäre betrachtet wird. Unser Familienleben ist das Gemeindeleben. Wir teilen unser Leben mit den Geschwistern, nicht mit unbekannten, undurchschaubaren Institutionen.

Jesu “Privatleben” war das Zusammensein mit den Jüngern. Paulus wurde den jungen Christen “zart, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt.” (1. Thess 2,7). So verbringen wir unser Privatleben mit den Geschwistern, die uns durch die gemeinsame Nachfolge Jesu vertraut und lieb geworden sind.

Der Unterschied zu einer “natürlichen” Familie liegt in der unterschiedlichen Basis. Nicht die gemeinsame Abstammung verbindet uns in der Gemeinde, sondern der gemeinsame Glaube. Durch diese tiefere Basis ist auch das gemeinsame Leben tiefer als in einer “normalen” Familie.

Die alles dominierende Beziehung im Leben des Christen ist die Beziehung zu Gott, die sich auf alle anderen Beziehungen prägend auswirkt. Eine Beziehung, in der nicht Gott die Mitte ist, verliert an Bedeutung. Die Beziehungen, die von Gott geprägt sind, vertiefen sich.

Die Wiederholung der Verleumdung, daß “Gebet oder Bibellesen im privaten Rahmen unerwünscht sei”, ändert nichts an deren Unrichtigkeit. Die Gemeinde lebt von der Beziehung jedes einzelnen zu Gott. Der einzelne wiederum wird im Gemeindeleben in seiner persönlichen Hinwendung zu Gott bestärkt. Wenn bei jemandem das Interesse an der Bibel zu klein ist, kann auch die Gemeinde sein geistliches Leben nicht aufrecht erhalten. Daher ist persönliches Gebet und Bibellesen eine unverzichtbare Basis des geistlichen Lebens des einzelnen als auch der Gemeinde.

Herr Kluge gewann von uns einen “lieblosen, unbarmherzigen und fanatischen Eindruck” und stellte fest, daß “die Gruppe nach außen recht kalt wirke”. Eindrücke sind immer subjektiv und hängen auch stark von der Erwartungshaltung des Beobachters ab. Andere Menschen gewannen einen anderen Eindruck. Überdies widerspricht sich dieser Eindruck mit dem Vorwurf des “love bombing”. Wer objektiv prüft, bleibt von “Eindrücken” unbeeindruckt und betrachtet Lehre und Leben auf der Basis der Bibel.

Es ist sicher so, daß wir den Menschen nicht nach dem Mund reden. Wir schweigen nicht, wenn es darum geht, unbiblische Lehren und unbiblische Lebensgestaltung aufzuzeigen. Gerade dadurch weisen wir auch auf das Leben hin, zu dem uns Jesus berufen hat.

Die “herzliche Wärme”, die es “innerhalb der Gruppe gibt”, wollen wir gerne mit jedem Menschen teilen. Aber dazu bedarf es der nötigen Basis. Für uns sind die Begriffe “Bruder” und “Schwester” keine religiösen Floskeln, sondern täglich erfahrene Realität, die wir einander auch in körperlicher Weise ausdrücken. Formale Höflichkeit ist uns fremd, nicht aber der Respekt vor der Persönlichkeit des Bruders.

Wie anderswo (früher in der Praxis, heute nur mehr in den Schriften “heiliger” Ordensgründer) mit der Privatsphäre umgegangen wurde, möge ein kurzes Beispiel illustrieren:

“Für die Betten genüge eine Matte, ein grobes Tuch, eine Wolldecke und ein Kopfkissen. Diese Betten hat der Abt öfters zu durchsuchen, um nachzusehen, ob sich nicht etwa Eigentum darin finde. Sollte sich bei einem etwas finden, das er nicht vom Abte erhalten hat, dann werde er sehr strenge bestraft.” (“Die Regel des hl. Benedictus”, 55. Kapitel: Die großen Ordensregeln S. 242)

zu “Kinder”

“Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß; er wird nicht davon weichen, auch wenn er älter wird.” (Sprüche 22,6)

Es ist hier nicht der Ort, ein Handbuch über christliche Erziehung niederzuschreiben. Es seien nur kurz einige Grundsätze christlicher Erziehung skizziert:

a) Konsequenz: Die Kinder sollen ihre Eltern (und auch die Christen, mit denen sie im Gemeindeleben zusammenkommen) als verlässliche Bezugspersonen erleben. Es geht hier in erster Linie nicht um Strenge, sondern um eine klare Linie, die den Kindern hilft, eine feste Vertrauensbasis zu entwickeln. Nichts schadet Kindern mehr als unberechenbare Bezugspersonen. Unser Leben und unser Sprechen von Gott muß gerade auch vor den Kindern eine Einheit darstellen.

b) Freiheit: Einerseits entspricht es einer bibelgemäßen Erziehung, daß die Kinder die Autorität ihrer Eltern akzeptieren müssen. Andererseits haben aber Eltern auch die Freiheit ihrer Kinder so weit wie möglich zu respektieren. Ein Kind soll das Leben mit Gott nie als Zwang erleben. Jeglicher Zwang zu religiösen Akten (auch zum Gebet, zum Bibellesen, zum Gespräch über Glaubensfragen) ist daher abzulehnen. Viele von uns haben erfahren, wie uns unsere Eltern zu ihrem Lebensstil verpflichten wollten und uns teilweise auch mit Zwang vom Leben als Christ abhalten wollten. Wir wollen diesen Fehler nicht in der anderen Richtung wiederholen.

c) Familie und Gemeinde: Die wichtigsten Bezugspersonen für ein Kind sind die Eltern, auch wenn die Kinder so weit wie möglich in das Gemeindeleben integriert werden sollen. Kinder sollen die Gemeinde wie eine Großfamilie erleben, in welche die Kernfamilie integriert ist.

zu “Moralvorstellungen”

“Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.” (Römer 12,2)

Wir richten unser Leben nach Christus aus, der die Norm unseres Lebens ist. Sein Wille durchdringt alle Aspekte unseres Lebens, aber nicht durch die Aufstellung eines Kataloges moralischer Richtlinien, sondern weil wir in ihm leben, sehen wir, wie alle Bereiche unseres Lebens von seinem Willen, der Heiligung heißt, durchdrungen werden.

Unser Leben ist nicht eine beständige Flucht vor Sünde, sondern eine beständige Hinwendung zu Gott. Wir haben keinen formalistischen und kasuistischen Verhaltenskodex, dem wir Genüge leisten müssen. Aber da wir immer, gerade auch im Alltag, als Christen leben, wollen wir auch bei alltäglichen Verrichtungen Gottes Willen in die Praxis umsetzen.

Gerade das im vorherigen Artikel erwähnte Beispiel der Friseuse zeigt, daß vieles die Entscheidung des Einzelnen ist, und nicht die sture Befolgung eines vorgesetzten Verhaltenskodexes.

Alkohol und Nikotin abzulehnen, die jedes Jahr Millionen Menschen in Krankheit und Tod stürzen und unvorstellbares Leid bewirken, ist wohl eine Selbstverständlichkeit für jeden Menschen, der sich seiner sittlichen Verantwortung bewußt ist.

Geschwister, die früher rauchten, erlebten mit ihrer Hinwendung zu Gott die Befreiung von der Zigarette und sehen das Nichtrauchen nicht als ein nur mit großer Überwindung erfüllbares Gebot.

Was den Alkohol betrifft, so widerspricht die Bibel zwar nicht einem mäßigen Weingenuß. Doch sehen wir gerade in unserer Zeit viele Gründe, auf Alkohol ganz zu verzichten. Einerseits sind wir häufig mit Autos unterwegs. Für jeden Autofahrer sollten 0,0 Promille selbstverständlich sein. Andererseits wurde in der heutigen Zeit der Alkohol zu einem gesellschaftlichen Problem nie dagewesenen Ausmaßes. Wir wollen gerade auch den Menschen, die vom Alkohol abhängig waren, eine Umgebung bieten, die ihnen keinerlei Versuchung zu Rückfällen verursacht. Überdies gibt es heute ein reiches Angebot von Fruchtsäften zusätzlich zu den Kräutertees, die uns die Natur überreich darbietet, das jemandem, der nicht nur Wasser trinken will und vielleicht Milch nicht verträgt, genug Alternativen bietet.

Was andere Genußmittel (wie Kaffee) betrifft, so ist deren Gesundheitsschädlichkeit wohl erwiesen und wird nicht nur “von Medizinern als ungesund dargestellt.” Wenn ich meinen Schöpfer liebe, bewahre ich seine Schöpfung und stelle ihm meinen Leib ganz zur Verfügung.

Was Herrn Kluges Bemerkung über das Waschen betrifft, so zeigt sich, wie er einfach alles heranzieht, um ein rigoristisches Gebotssystem in unsere Gemeinschaft hineinzulesen. Es ist sowohl traurig als auch lächerlich, daß wir betonen müssen, daß es keinerlei “gruppeninterne” Norm der erlaubten Waschfrequenz gibt. Selbst wenn das sachlich zutreffende Zitat, daß “zuviel Waschen der Haut schade” tatsächlich einmal gefallen sein sollte, ist es trotzdem lächerlich, aus diesem Zitat eine Vorschrift entnehmen zu wollen. Man kann hier viel mehr über Herrn Kluges Vorurteile lernen als über unsere Waschgewohnheiten.

Wieder einmal können wir aber etwas, das unserer Gemeinschaft völlig ferne ist, in der Regel einer Teilorganisation von Gerald Kluges “Kirche” finden:

“Man gebe den Kranken Gelegenheit zu Bädern, sooft es für sie förderlich ist; den Gesunden aber und besonders den jüngeren, gestatte man es seltener. (Regel des heiligen Benedictus”, 36. Kapitel in: Die großen Ordensregeln, S. 226)

Zum “Anzweifeln von Lehraussagen”:

Die richtige Lehre (und nicht irgendwelche psychologischen Manipulationen) ist die Grundlage jeder christlichen Gemeinde. Wer diese Grundlage in Frage stellt, stellt sich außerhalb der Gemeinschaft. Die Gemeinde, will sie Gemeinde Gottes bleiben, hat an der von Gott geoffenbarten Lehre festzuhalten. Sicher muß man schwachen Geschwistern mit viel Geduld begegnen. Aber wer die biblische Lehre nicht akzeptiert, hat sich von der Gemeinde getrennt. Wenn wir diesen Grundsatz aufgeben, geben wir unsere Identität als christliche Gemeinde auf. Der Grundsatz, daß man nur mit der richtigen Lehre gerettet werden kann, ist ein allgemein christlicher und findet sich auch in zahlreichen offiziellen Lehrdokumenten allgemein anerkannter “Kirchen” wie z. B.:

“Wer da selig werden will, der muß vor allem den katholischen Glauben festhalten; wer diesen nicht in seinem ganzen Umfange und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verlorengehen.” (Athanasisches Glaubensbekenntnis, Neuner-Roos 915 Mit “katholischem Glauben” ist in diesem Zusammenhang ausschließlich der richtige Glaube in Bezug auf die Dreieinigkeit und die Person Jesu gemeint. Wir stimmen dem zitierten Satz im Zusammenhang des konkreten Dokumentes zu. Die richtige Lehre über die Person Jesu und die Dreieinigkeit ist für das Christentum grundlegend und unverzichtbar.)

In der Apostolischen Konstitution Pius’ XII. “Munificentissimus Deus” aus dem Jahre 1950 reichen sogar schon bewußte Zweifel an der Lehre der Aufnahme Mariens in den Himmel zum Abfall:

“Wenn daher, was Gott verhüte, jemand diese Wahrheit, die von Uns definiert worden ist, zu leugnen oder bewußt in Zweifel zu ziehen wagt, so soll er wissen, daß er vollständig vom göttlichen und katholischen Glauben abgefallen ist. (Neuner-Roos 487)

Bei den Katholiken reichen also schon bewußte Zweifel an einer unbiblischen Lehre zum Abfall! Auch wenn sie in der Praxis jeden Ungläubigen und Verbrecher akzeptieren (so war etwa Hitler bis zu seinem Tod Mitglied der katholischen “Kirche”, ohne daß er ausgeschlossen worden wäre), finden wir in ihren offiziellen Lehrdokumenten eine Position, die Herr Kluge bei allen anderen Organisationen zurecht als sektiererisch verurteilen würde. Gelten bei seiner eigenen Organisation andere Maßstäbe?

Daß die bewußte Wiederholung schwerer Sünden Grund für einen Ausschluß sein kann, ist keine rigoristische Vorschrift, sondern Jesus selber gebietet in Mt 18,15-17, daß hartnäckige Sünder ausgeschlossen werden müssen. Näheres dazu wurde aber schon weiter oben (unter Gemeindebild) ausgeführt.

Unser Kritiker beruft sich in seiner Darlegung unserer Stellung zur Sexualität auch auf die Aussagen eines “Mitglieds”, daß “die Enthaltsamkeit wegen des nahen Weltendes geschehe”, um danach aber einzuschränken, daß dies “wohl nicht die allgemeine Auffassung der Gruppe” sei. Da wir, seit wir einander gefunden haben, die Erwartung der baldigen Wiederkunft stets als grundsätzlich der Bibel widersprechende Lehre abgelehnt haben, können wir definitiv ausschließen, daß jemals jemand der Geschwister diese Aussage getroffen hat. Es bleibt daher nur mehr die Möglichkeit, daß Herr Kluge entweder selber ein Märchen erfunden hat oder daß er leichtfertig die Verleumdungen anderer geglaubt hat. Das unter “Theologen” allgemein verbreitete Vorurteil, daß viele der ersten Christen wegen der Naherwartung des Weltendes ehelos blieben, hat ihn (oder seine Quelle) wohl zu dem irrigen Schluß geführt, daß unsere Hochschätzung der Ehelosigkeit die Ursache in der Naherwartung hat. Dieser Schluß ist jedoch ein Trugschluß. Auch bei den ersten Christen war es nicht die Naherwartung, die sie zur Ehelosigkeit motiviert hat, sondern die größere Verfügbarkeit für den Einsatz im Reich Gottes. Dieser Einsatz ist auch unsere einzige Motivation für die Ehelosigkeit. Jede gnostische Sicht, die in der Materie oder in der Sexualität etwas Negatives sieht, ist mit dem Neuen Testament unvereinbar.

Wir betrachten die Sexualität als einen Teil der guten Schöpfung Gottes, der Gott ihren Platz in der Ehe (und nur dort) gegeben hat. Jede vor- oder außereheliche geschlechtliche Beziehung darf in einer christlichen Gemeinde nicht geduldet werden. Im Rahmen einer christlichen Ehe ist die Sexualität nicht ein “zu vermeidendes Geschehen”, sondern der natürliche Ausdruck der gegenseitigen Liebe der Ehepartner. Auf der Basis der gottgewollten Liebe ist sie auch nicht egoistisch, sondern Hingabe an den Partner, mit dem man ein Fleisch ist. Der Satz, daß Sexualität “ein Geschehen” sei, “das sich nur zwischen Menschen abspielt, wo Gott keine Rolle spielt”, ist unrichtig und gibt nicht unsere Einstellung wieder.

Richtig hingegen ist Herrn Kluges Feststellung, “daß es derzeit wichtigere Dinge zu tun gibt.” allerdings nicht nur “derzeit”. Wir finden im NT sowohl bei Paulus als auch bei Jesus klare Aussagen über den Wert der Ehelosigkeit (Mt 19,12; 1. Kor 7,7-8.17-24.25-40). Diese Worte sind auch unsere Begründung für die Hochschätzung der Ehelosigkeit. Es ist nur eigenartig, daß gerade ein katholischer Priester, der selber diese Lebensweise gewählt hat, so wenig Verständnis dafür aufbringt.

” sondern wie Leute, die die Keuschheit, ohne die Ehe zu verurteilen, anerkennen und suchen und vorziehen, nicht wie etwas Gutes (im Vergleich zu) etwas Bösem, sondern wie etwas Besseres (im Vergleich zu) etwas Gutem. Denn wir verachten die Ehe nicht, doch wir verzichten auf sie; wir schreiben die Keuschheit nicht vor, doch wir raten sie an, indem wir auch das Gute bewahren, wenn auch jeder seinen Kräften entsprechend das Bessere sucht; doch wir verteidigen die Ehe dann entschlossen, wenn sie unter dem Vorwand der Besudelung gehässig angeklagt wird mit dem Ziel, den Schöpfergott zu vernichten, der die Ehe aufgrund ihrer Würde im Hinblick auf das Wachstum des Menschengeschlechts ebenso gesegnet hat, wie er die Schöpfung als Ganzes im Hinblick auf ihre richtige und gute Nutzung gesegnet hat “
(Tertullian, Gegen Marcion I, 29,1-4)

Zum Thema “Hobbys”, auf das Herr Kluge immer wieder zurückkommt, wurde schon eingangs (zu “Gottesbild”) Stellung bezogen. Was hätte wohl Paulus oder gar Jesus auf die Frage nach seinen Hobbys geantwortet?

Unsere “Lebenseinstellung” ist nicht die, die uns vorgeworfen wird. Wir brauchen uns nicht selbst zu beweisen. Es geht uns auch nicht um irgendein Überlegenheitsgefühl. Wir streben danach, ständig den Willen Gottes zu tun. Aber trotzdem ist unser Leben nicht ein ständiges Hinterfragen unserer Handlungsweise in dem Sinn, wie Herr Kluge es zu wissen meint. Es geht uns nicht darum, einem ausgeklügelten Sittenkodex zu entsprechen, an dessen Details wir ständig feilen. Wir wollen vielmehr in jeder Situation Gott gehorchen, frei von formalistischen Geboten, aber in einem Leben, in dem Heiligkeit nicht nur ein Schlagwort ist, sondern eine Realität, die sich in allen Aspekten des Lebens äußert.

zu “Strafen – Ausschluss”

“aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.” (Matthäus 18,17)

Zum Thema “Ausschluß” wurde schon im Zusammenhang mit dem “Gemeindebild” Stellung bezogen.

Herrn Kluges Feststellung, daß “die Gruppe nicht bemüht ist, krampfhaft alle Leute zu behalten”, steht in Spannung zum Vorwurf, daß wir die Menschen mit psychologischen Methoden an “die Gruppe” binden wollen.

Man darf den Ausschluß nicht isoliert vom Gemeindeleben sehen. Wir haben von Gott die Verpflichtung, füreinander zu kämpfen, einander in der Heiligung zu stärken. Das geschieht durch die brüderliche Ermahnung und Ermunterung. Erst wenn offensichtlich ist, daß jemand die Sünde mehr liebt als das Leben mit Gott, wenn wir sehen, daß wir jemandem in der Gemeinde nicht mehr helfen können, bleibt nur mehr die Möglichkeit des Ausschlusses.

Die angeführte Interpretation von Hebr 6,4ff, daß jemand bereits durch die zweite Sünde die Chance auf Bekehrung verwirkt habe und es für ihn dann keine Gnade mehr gebe, ist stark vereinfacht und wird auch von uns nicht vertreten. Diese Lehre findet sich allerdings schon im “Hirte des Hermas”, einer Schrift aus dem ausgehenden 1. Jahrhundert. Das Leben läßt sich jedoch nicht in ein so einfaches Schema pressen. Wir dürfen niemandem die Möglichkeit der Umkehr nehmen, solange nicht ganz klar ist, daß er abgefallen ist.

Nicht nur Hebr 6,4f spricht von der Möglichkeit des Abfalls, sondern auch zahlreiche andere Stellen warnen eindringlich davor. Auch Jesus selbst warnt:

“Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.” (Johannes 15,6)

Die Freiheit des Menschen wird durch die Entscheidung zur Nachfolge nicht aufgehoben. Die Liebe Gottes läßt uns immer noch die Möglichkeit offen, auch als Christen nein zu ihm zu sagen. Wenn ein Christ sich durch seine Sünden tatsächlich von Gott abgewendet hat, gibt es für ihn nach den klaren Aussagen der Schrift keine Möglichkeit zur Umkehr mehr, weil er sich selbst gegen Gott verhärtet hat.

“Sehet zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es heute’ heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!(Hebräer 3,12-13)

Auch wenn heute viele “bibeltreue” Gruppen die Möglichkeit des Abfalls leugnen, handelt es sich hier doch um eine klare biblische Lehre, an der wir festzuhalten haben, auch wenn die Feststellung, daß jemand abgefallen ist, nicht nach dem einfachen Schema funktioniert, das uns Herr Kluge unterstellt. So lange nicht klar ist, daß jemand von Gott abgefallen ist, wollen wir auch um ihn kämpfen. Das geistliche Leben eines Menschen ist allen Einsatz wert.

Es ist richtig, daß Ausschluß nicht gleich Ausschluß ist. Wenn wir einem Bruder in der Gemeinde nicht mehr helfen können, so heißt das nicht, daß es für ihn keine Möglichkeit der Umkehr mehr gibt. Wenn sichtbar ist, daß ein Bruder umgekehrt ist, ist das eine große Freude für die ganze Gemeinde.

Falls jemand aber eindeutig den Weg Gottes unwiderruflich verlassen hat, dann bleibt uns auch nur mehr die Möglichkeit, uns von ihm zu trennen, da Menschen, die ohne Gott leben wollen, in der Gemeinde Gottes keinen Platz haben dürfen. Wir nennen diese Trennung allerdings nicht “Entsendung”, wie Herr Kluge meint. Der Begriff “Entsendung”, den wir in dieser Form ohnehin nicht verwenden, enthält eher positive Assoziationen, wie Entsendung in die Mission.

Die Strafe des Entzuges des Wohnungsschlüssels für Unehrlichkeit ist uns unbekannt. Wenn jemand aber durch einen gefährlichen Fahrstil das Leben oder die Gesundheit sowohl von Geschwistern als auch von Außenstehenden gefährdet, so ist das wohl natürlich, daß er sich erst nach einer Gesinnungsänderung wieder ans Steuer setzen darf.