zu “Wie wird geworben?”

“Denn wir treiben keinen Handel mit dem Wort Gottes wie die meisten, sondern wie aus Lauterkeit, sondern wie aus Gott reden wir vor Gott in Christus.” (2. Korinther 2,17)

Herr Kluge berichtet einige subjektive Erfahrungen, die von seiner negativen Erwartungshaltung geprägt sind. Die konkrete Gesprächsführung hängt vom konkreten Menschen ab, mit dem wir ins Gespräch treten. Das Ziel jedes missionarischen Gespräches kann nur sein, dem jeweiligen Menschen die bestmögliche Hilfe zur Nachfolge Jesu zu bieten. Da es keinen “Schema F”-Menschen gibt, kann es auch kein “Schema F”-Missionsgespräch geben. Wenn es um die Hinführung zu einer gottgemäßen Gemeinde geht, kann über Mißstände und Pseudogemeinden nicht geschwiegen werden. Es wäre lieblos, jemanden vor Verführern, die ein verfremdetes Christentum predigen, nicht zu warnen.

Es ist für uns aber kein “Genuß”, wie Herr Kluge meint, die dunklen Seiten der Kirchengeschichte zu entfalten. Es ist, im Gegenteil, sehr traurig, wenn man sehen muß, wieviel Verbrechen im Namen Jesu begangen wurden und werden.

Im Gegensatz zu Herrn Kluges Darstellung legen wir das Schwergewicht der Gesprächsführung immer auf die Erkenntnis der von Gott geoffenbarten Wahrheit, die jeder in der Bibel finden kann.

Was Luther betrifft, so haben wir es nicht nötig, uns mit ihm auf dem Niveau auseinanderzusetzen, auf dem er über seine Gegner hergezogen ist, und das auch viele seiner damaligen katholischen Gegner hatten. Die Beschäftigung mit seiner Lehre zeigt seine Gottlosigkeit zur Genüge. Wenn Herr Kluge uns vorwirft, daß wir mit Vorliebe den Leibesumfang Luthers kritisieren, so wissen die meisten von uns darüber überhaupt nicht Bescheid. Falls es stimmt, daß Luther tatsächlich “fett gestorben ist” (auch dem Autor dieses Textes war das bisher unbekannt), so weist das auf fehlende Disziplin hin, was eines Gottesmannes sicher nicht würdig ist, aber die Beurteilung eines Menschen erfolgt auf der Ebene seiner Lehre.

Wir unterscheiden auch zwischen Luther und der sich nach ihm benennenden “Kirche”, die wenigstens den Greuel der Leugnung der Willensfreiheit und der damit verbundenen Lehre der Vorherbestimmung zu Himmel oder Hölle nicht von ihm übernommen hat.

Wenn wir Christen treffen, so freuen wir uns über die neu kennengelernten Geschwister und zweifeln deren Christsein nicht an, so unvollkommen es vielleicht auch war. Wir taufen grundsätzlich nur jene Geschwister, die erst durch die Begegnung mit uns Christen wurden.

“Sünde” und “Freiheit” sind gewiß zwei wichtige Themenkreise, die in Gesprächen mit Ungläubigen immer wieder angesprochen werden. Das Wesen der Erlösung in Christus ist doch gerade die Freiheit von der Sünde.

“Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave.” “Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.” (Johannes 8,34.36)

Gerade weil wir in unserem Leben diese Freiheit erfahren haben, wollen wir alle anderen Menschen auch daran teilhaben lassen.

In christlichen Schriften des 1. Jahrhunderts (Didache und Barnabasbrief) finden wir die Lehre der zwei Wege entfaltet, die schon Jesus in der Bergpredigt (Mt 7,13-14) weitergegeben hat. Der Weg des Lebens und der Weg des Todes liegen vor jedem Menschen, der zur Entscheidung gerufen wird. In diesen frühchristlichen Schriften wird nicht auf irgendwelche abstrakte Wege hingewiesen, sondern auf ganz konkrete Taten, in denen sichtbar wird, auf welchem Weg jemand wandelt. Wenn wir von der Freiheit sprechen, die wir in Jesus erfahren, so ist das grundsätzlich der Weg, der in der frühchristlichen Tradition als der Weg zum Leben bezeichnet wird.

Wir wollen den Menschen nicht die übliche Konsumentenhaltung als Freiheit vorgaukeln, so wie Herr Kluge, der etwa das “Befreiende” eines Kaffeehausbesuches anklingen läßt. Wir wollen nicht zu denen gehören von denen Petrus schreibt:

“Sie versprechen ihnen Freiheit, während sie selbst Sklaven des Verderbens sind; denn von wem jemand überwältigt ist, dem ist er auch als Sklave unterworfen.” (2. Petrus 2,19)

Was wir inmitten dieser vom Konsumzwang geprägten Welt als Freiheit erfahren, beurteilt Herr Kluge als Einengung. Das ist gewiß eine Frage der Betrachtungsweise. Jeder Drogensüchtige betrachtet es zuerst als Einengung, wenn er keinen Zugang zu seinen Drogen hat. Die wahren Fesseln liegen jedoch in seinen Drogen. Für den, der noch von seinen Sünden versklavt ist, ist die Freiheit des Christen eine Einengung, weil er nur sieht, auf was er verzichten soll, nicht aber, was er gewinnt.

Bemerkenswert ist der Vorwurf, daß wir mit einem klaren Konzept in das Gespräch gehen. Jedes sinnvolle Gespräch setzt voraus, daß beide Partner Zielvorstellungen haben. Es gibt kein “Drehbuch” für ein Missionsgespräch, aber wir haben eine klare Zielvorstellung. Es geht uns ja nicht um eine belanglose Plauderei sondern um die Erkenntnis Gottes und seines Heilsweges.

Der Satz “Es wird regelrecht antrainiert, nicht auf die Argumente des anderen zu hören” ist eine Verleumdung. Falls jemand von uns wirklich gesagt haben sollte “Was die anderen sagen ist falsch, durchdenk es einfach gar nicht erst!”, dann ist das gegen die Prinzipien unserer Gemeinschaft. Wir haben keine Argumente zu fürchten. Wir können in einer offenen Argumentation nur gewinnen. Man muß gewiß auch unterscheiden zwischen Argumenten im Detail und einer Grundrichtung. Wenn z. B. Katholiken nachweisen, daß Petrus in Rom war und dort den Märtyrertod gestorben ist, so stimmen wir dem völlig zu. Aber das ist trotzdem nicht das geringste Argument für die Richtigkeit des Papsttums, da dieses weder von der Bibel noch von der Kirchengeschichte der ersten Jahrhunderte ableitbar ist.

Die Wahrheit ist zu kostbar, um den “Sport” des “Argumentesuchens” zu betreiben. Eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Argumenten ist für uns kein Sport sondern eine Verpflichtung für wahrheitsliebende Menschen, die die Gedanken Andersdenkender nicht ignorieren wollen.

Herr Kluge kritisiert bei uns einerseits “Indoktrinierung”, andererseits das “Antworten durch Schweigen”. Was sollen wir tun, um es ihm rechtzumachen? Wie schrecklich müssen die Zustände an allen Schulen sein, an denen der Lehrer einerseits “indoktriniert” (seinen Lehrstoff vorträgt), andererseits auch die Schüler ein “bereits vorgegebenes Ergebnis” erarbeiten läßt! Herr Kluge versucht einfach immer wieder aus vereinzelten Beobachtungen ein System zu konstruieren, welches einerseits nicht existiert, andererseits auch nicht in sich schlüssig ist, um so sein Ziel, uns als “Psychosekte” zu diffamieren, mit allen Mitteln zu erreichen.

Deswegen verwendet er auch den auf “Psychosekten” zugeschnittenen Begriff des “love bombing”, der ein Widerspruch in sich ist. Liebe ist keine Waffe, mit dem man jemanden zerstören kann. Unsere Liebe ist nicht eine kurzfristige emotionelle “Betreuung” sondern eine dauerhafte Verpflichtung.

Die von Herrn Kluge erwähnten “Berichte aus Polen”, nach denen “Minderjährige gegen den Willen der Eltern in die Gruppe verbracht wurden”, sind wie folgt zu ergänzen bzw. zu korrigieren:

Es wurde noch nie jemand “in die Gruppe verbracht”. Die jugendlichen Geschwister hielten sich aus eigener Entscheidung gegen den Willen ihrer Eltern in der Gemeinde auf. Sie wurden von niemandem dazu gezwungen und waren aus freiem Willen dort. Das “Vergehen” der Schwester, die zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde, bestand darin, daß sie die Jugendlichen, die aus freier Entscheidung bei uns waren, nicht gegen deren Willen zu den Eltern nach Hause geschickt hat. Ein anderes Gericht hat eine Anklage in einem ähnlichen Fall zurückgewiesen.

Die Jugendlichen wurden nach den Treffen immer nach Hause gebracht, obwohl sie zu Hause Schreckliches auszustehen hatten. Sie wurden wiederholt von den Eltern geschlagen. Die Eltern zerrissen bzw. verbrannten mehrmals vor ihren Augen die Bibel, zwangen sie, an einer katholischen Erstkommunionfeier teilzunehmen. Die Geschwister haben dann eine längere Gefangenschaft im Elternhaus erdulden müssen; drei Monate lang durften sie die Schule nicht besuchen. Sie waren zeitweise an den Beinen mit Ketten gefesselt und wurden auch mit einer Schußwaffe bedroht.

Eine spätere Klage der mißhandelten Geschwister gegen ihre Eltern wurde mit der Begründung abgelehnt, daß die Eltern nur gewisse Maßnahmen zum Schutz der Kinder unternommen hatten. Falsche Zeugenaussagen bewahrten die Eltern vor der Bestrafung.

Die Eltern sahen, daß sie durch strikte Restriktionen die Jugendlichen nicht von ihrer Überzeugung abbringen konnten. Da sie die Adresse oben angeführter Schwester kannten, zogen sie sie vor Gericht in der Hoffnung, daß die Gemeinde den Jugendlichen verböte, sich mit ihnen zu treffen, da es ja “strafbar” sei.

Die Geschwister blieben trotz der gewaltsamen Trennung von der Gemeinde ihrem Weg treu.

Der Wunsch, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, betrifft nicht nur die “Neuen”. Wir versuchen, unsere Lebensumstände so zu planen, daß tägliche Gemeinschaft für alle (ob alt oder jung) möglich ist, nicht um “einander sicher zu sein”, sondern um die Gemeinschaft, die uns allen wichtig ist, zu erfahren. Menschen, die diesen Wunsch nicht haben, ist das allerdings verdächtig.

Es ist leicht, mit Negativschlagworten wie “Milieu-” bzw. “Informationskontolle”, “Gedankenkontrolle”, “Bewußtseinskontrolle” um sich zu werfen, vor allem, weil es leicht ist, bei entsprechender Negativerwartung positive Worte umzupolen.

Wenn ein Mann seine Frau fragt, was sie während des Tages gemacht hat, so kann das aus Liebe kommendes Interesse am Partner sein oder aber auch “Milieu- und Informationskontrolle”.

Das Briefgeheimnis wird bei uns gewahrt, und es gibt keinerlei Verbote, sich mit jemandem zu treffen, wie das bei diversen katholischen “Orden” üblich war (und ist?).

“Ob ein Mönch Briefe oder etwas anderes empfangen dürfe – Es soll dem Mönche durchaus nicht gestattet sein, von seinen Eltern oder von sonst jemand, auch nicht von einander ohne Erlaubnis des Abtes Eulogien oder sonstige kleine Geschenke zu empfangen oder zu geben.” (“Regel des Hl. Benedictus”, 54. Kapitel, in: Die großen Ordensregeln S. 240)

“Keiner nehme sich heraus, einem anderen zu erzählen, was immer er außerhalb des Klosters gesehen oder gehört hat; denn dies richtet großen Schaden an. Wagte es aber doch einer, so verfalle er der in der Regel festgesetzten Strafe. Die gleiche Strafe treffe jenen, der sich herausnimmt, die Umfriedung des Klosters zu verlassen oder irgendwohin zu gehen oder irgend etwas, und sei es noch so unbedeutend, ohne Auftrag des Abtes zu tun.” (“Regel des Hl. Benedictus”, 67. Kapitel, in: Die großen Ordensregeln S. 255)

Ein kalter Schauer jagt einem über den Rücken, wenn man Gerald Kluges Beschreibung des psychischen Zustands eines Neulings liest (Zweifel, Unsicherheit, Selbstmordgedanken, Kaltherzigkeit, Nachlassen schulischer und beruflicher Leistungen, Abmagern, unsteter Blick …). Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es ist natürlich so, daß jede ernsthafte Entscheidung einen Menschen zu mehr Ernsthaftigkeit führt. Daß wir bei schlechten Witzen und oberflächlichem Geschwätz nicht mitlachen, kann man auch als “Verlust des Humors”, als “Verbiesterung” und “Kaltherzigkeit” interpretieren.

Psychisch labile Menschen erfahren tiefe Entscheidungen als Belastung, psychisch stabile Menschen nicht. Das ist überall so und hat nichts mit unserer Gemeinschaftsform zu tun. Man möge nur einmal in diversen Heiligenviten nachlesen, welche “Symptome” bei katholischen “Heiligen” in deren Entscheidungsphasen aufgetreten sind.

Es werden sowohl stabile als auch labile Persönlichkeiten Christen, gewiß nicht ohne innere Anstrengung. Jede Verallgemeinerung ist unredlich und von dem in Gerald Kluges Schrift allgegenwärtigen Vorurteil geprägt.

Herr Kluge wirft uns psychische Manipulation durch eine “geschickte Auswahl der Bibelstellen” vor. Natürlich überlegen wir uns, welche Bibelstellen in einer konkreten Situation hilfreich sind. Wir wollen nicht einfach nur in den Tag hinein plaudern. Da uns aber die Freiheit jedes Menschen ein starkes Anliegen ist, können wir nur auf das hinweisen, was wir für eine bestimmte Situation aus der Heiligen Schrift erkannt haben. Die Entscheidung zum Leben mit Gott muß jeder selber treffen.

Wir sind allerdings auch gewohnt, nicht nur einen Aspekt zu sehen, sondern wollen verschiedene Aussagen der Heiligen Schrift und auch andere Argumente abwägen, die unserer Meinung zu widersprechen scheinen. Herrn Kluges Vorwurf impliziert bewußtes Verschweigen einiger Aussagen der Hl. Schrift. Das widerspricht jedoch völlig unserer Einstellung der Bibel gegenüber, da wir nicht einfach unsere Überzeugung in die Bibel “hineinlesen” wollen, sondern in einer sachlichen Diskussion den in der Bibel geoffenbarten Willen Gottes erkennen wollen. Leider geben sich nur wenige Menschen die Mühe, mit uns eine derartige Diskussion zu führen.

So ist auch die Teilnahme an der Gütergemeinschaft, die, wie Herr Kluge sagt, “nicht eingefordert wird”, für ihn nur das Ergebnis eines “sozialen Gruppendrucks”. Es ist für ihn einfach unvorstellbar, daß bei uns etwas auch aus Liebe geschehen kann. Da er aber auch zugibt, daß es “keine Ausrichtung auf Gelderwerb für den Leiter und die daraus folgende Ausbeutung der Mitarbeiter” gibt, legt sich eigentlich nahe, daß wir aus Liebe miteinander teilen. Aber es kann ja wohl nicht sein, was nicht sein darf.

Wenn in katholischen Orden (wie aus oben erwähnten Beispielen sichtbar wurde) Gütergemeinschaft nur mit Zwang funktioniert, dann ist eine funktionierende Gütergemeinschaft aus Liebe heraus, noch dazu außerhalb des Schoßes der “allein selig machenden” römischen Kirche wohl per Definition unmöglich. Es funktioniert trotzdem aus Liebe, welche Motive uns andere auch immer unterstellen mögen.

Zur “äußeren Kritik, die uns zusammenschweißt”: Gewiß führt die Ablehnung durch Außenstehende auch dazu, daß wir uns noch stärker bewußt werden, welch großes Geschenk jeder Bruder ist, mit dem man alles teilen kann. Aber ein Beweis der Richtigkeit ist die Ablehnung von außen keinesfalls. Auch die Zeugen Jehovas werden oft gesellschaftlich geächtet, was aber keinerlei Beweis für die Richtigkeit ihrer Lehre ist.

Herr Kluge darf sich auch nicht darüber beschweren, daß wir uns nicht als etwas bezeichnen, was wir nicht sind. Da wir nichts anderes sind und sein wollen als Christen, können wir uns als nichts anderes ausgeben. Wir sind auch keine “Wahren Christen” oder “Neue Christen” weil es unter den Christen ja nicht verschiedene Klassen gibt. Unser Erkennungszeichen ist die Liebe und die Einheit:

“Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” (Johannes 13,35)

“damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.” (Johannes 17,21)